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Peter Paul Rubens: A Forest at Dawn with a Deer Hunt (The Metropolitan Museum of Art) common license

Alisa Hajdarpašić: „Auflösung und Aufbau von Kohärenz in den mittelalterlichen Mahrtenehegeschichten“ (Arbeitstitel)

Im Rahmen dieser Arbeit sollen Assoziationsregeln untersucht werden, nach denen einzelne Erzählsequenzen und Episoden sowohl in ihren jeweiligen unmittelbaren Kontext, als auch in das Werkganze eingebettet sind. Dabei werden über die komplexen Motivationsstrukturen hinaus die Verknüpfungselemente und -verfahren analysiert, die Zusammenhänge stiften. Ausgangspunkt der Analyse sind die Texte, deren Erzählverlauf mehr oder weniger stark an das Schema von der gestörten Mahrtenehe gebunden ist. Die Erzählungen dieses Typus berichten von der Verbindung eines Menschen mit einem andersweltlichen Wesen, die immer an die Einhaltung eines Tabus geknüpft ist, dessen Übertretung das Erzählmuster jedoch vorsieht.
Mit den nach diesem Erzählschema organisierten Handlungsfolgen werden in den Texten aber stets Motive, Figuren, Raumkonstellationen und Handlungspunkte verflochten, die aus anderen Erzählmustern und Gattungen stammen, wodurch in den meisten Fällen vielschichtige Kompositionen und Gattungshybride entstehen. Kombinationsregeln unterschiedlicher Schemata und Erzählgattungen kommen so in Verbindung miteinander, was zu Widersprüchen, Kurzschlüssen und Blindflecken, aber auch zu unterschiedlichen Arten von Lösungen, Überbrückungen und Übergängen an den Knotenpunkten führen kann. Ebenso stark wie von den unterschiedlichen Erzählkonventionen einerseits ist die Gestaltung der Texte anderseits von Kultur- und Sozialdiskursen geprägt, die an ihren Normenhorizonten teilnehmen. Dadurch, dass die gleichen Erzählschemata und Strukturen immer wieder unterschiedliche Besetzungen erlauben und in neuen Kontexten situiert werden, finden verschiedene kulturelle Muster Eingang in die Texte und auch sie werden mit- und gegeneinander durchgespielt.
Statt von der Annahme einer systematischen Ganzheit des Kunstwerks auszugehen, werden deshalb bei der Analyse divergierende Sinnhorizonte und die Integration von Heterogenem im Textgewebe wahrgenommen. Unter Berücksichtigung der dem vormodernen Erzählen eigenen Spielregeln wird die Leitfrage verhandelt, wie die Texte mit der Zusammensetzung widersprüchlicher Schema-, Gattungs-, Sozial- und Kulturnormen oder mit deren Überschreitung umgehen, um darauf aufbauend auf die zugrunde liegenden Kompositionsregeln einzugehen. 

Kontakt: alisa.hajdarpasic[at]hotmail.com