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Beginn einer deutschsprachigen Übersetzung der Drittordensregel, 1483, Leipzig, Universitätsbibliothek, Ms 1548, f. 121 v.

Adrian Kammerer: Frauengemeinschaften und die Ausbreitung der dominikanischen Drittordensregel in der Teutonia (Arbeitstitel)

Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit einem bisher wenig beachteten Themenfeld: Dem dominikanischen Drittorden.

Anders als bei den konkurrierenden Minoriten kam es – ausweislich der jüngsten Forschung und im Widerspruch zu älteren Darstellungen – bei den Predigerbrüdern erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts zur päpstlichen Anerkennung einer Regel für Laien, die ihr Leben im Sinne der Ordensspiritualität gestalten wollten. Die wenigen hierzu verfügbaren geschichtswissenschaftlichen Titel lassen erhebliches Potential für weitere Forschungen erkennen. So gibt es eine ungelöste Kontroverse, ob die stärkere Anbindung existenter Laiengemeinschaften an den Orden eher auf die Initiative der Ordensleitung und der römischen Kurie oder aber auf das Reformbedürfnis der neu eingegliederten Gruppen selbst zurückzuführen sei. Zudem zeigen die bisher fast ausschließlich auf den italienischen Raum bezogenen Forschungsergebnisse, dass es dort vor allem Frauengruppierungen waren, die sich der (theoretisch auf beide Geschlechter hin formulierten) Regel annahmen.

Dies wirft die Frage auf, wie sich die zahlreichen im deutschsprachigen Raum – im Rahmen des Projektes sinnigerweise die Ordensprovinz Teutonia – verbreiteten geistlichen Frauengemeinschaften zu der neuen Regel verhielten. Unter welchen Bedingungen wurde sie angenommen, unter welchen abgelehnt, wer waren die Akteurinnen und Akteure des (möglichen) Wandels? Diskutiert werden muss in diesem Zusammenhang auch, inwiefern eine oft postulierte Konzentration der spätmittelalterlichen Reformbewegung auf monastische Ideale für Frauen den ursprünglich vom klösterlichen Ordenszweig klar unterscheidbaren Lebensentwurf der Drittordensregel „verwässerte“.

Um solche Fragen zu beantworten, muss das Projekt unterschiedlichstes Quellenmaterial analysieren. So sind die Schriften der bekannten deutschsprachigen Ordensreformer, etwa von Johannes Nider, noch kaum in Bezug auf den Drittorden ausgewertet worden. Ähnliches gilt für Akten und Briefsammlungen der Ordensleitung. In beiden Fällen müssen auch Inedita zur Sprache kommen. Die allgemeine Geschichte des Drittordens soll durch Fallstudien zu einzelnen Gemeinschaften von Drittordensschwestern ergänzt werden, für die teils ausschließlich archivalisch greifbares Material benutzt werden soll.

Entstehung, Annahme, Ablehnung und Wandel dieser neuen Lebensregel zu diskutieren, heißt, die Bedingungen verstehen zu wollen, unter denen geistliches Gemeinschaftsleben konventionell verfasst war. In diesem Sinne bietet das ordensgeschichtliche Projekt die Chance, die im interdisziplinären Kontext zu erarbeitenden „Dynamiken der Konventionalität“ auf konkrete historische Beispiele zu beziehen.

Kontakt: adrian.kammerer[at]uni-koeln.de